So funktioniert die Prognose
Für jede Stunde wird berechnet, wie viel Wasser die Luft der nassen Wäsche entziehen kann – und daraus, ob, wann und wie lange es draußen klappt.
Die Idee
Nasse Wäsche auf der Leine verhält sich ähnlich wie eine nasse Oberfläche: Das Wasser verdunstet, und die Luft trägt den Wasserdampf weg. Wie schnell das geht, hängt von zwei Dingen ab: von der Energie, die vor allem die Sonne liefert, und von der Luft – wie trocken sie ist und wie stark der Wind sie am Stoff vorbeiführt.
Für genau diese Frage gibt es in der Meteorologie seit Jahrzehnten eine bewährte Methode: die Verdunstungsformel nach Penman. Sie verbindet Sonne, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Wind zu einer Zahl – der Verdunstung pro Stunde. Diese Zahl heißt hier Trocknungskraft.
Was am meisten zählt
- Luftfeuchtigkeit. Je trockener die Luft, desto mehr Wasser nimmt sie auf. Bei sehr feuchter Luft (ab etwa 85 Prozent) nimmt Baumwolle sogar selbst Feuchtigkeit auf – dann wird die Wäsche kaum noch trocken, egal wie warm es ist.
- Wind. Er tauscht die feuchte Luftschicht direkt am Stoff ständig aus. Schon leichter Wind hilft viel; sehr starker Wind bringt kaum noch mehr.
- Sonne. Sie liefert Energie für die Verdunstung. Berücksichtigt wird, wie hoch die Sonne steht und wie viele Wolken es gibt.
- Temperatur. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Wichtiger ist aber, wie viel Platz in der Luft noch frei ist – deshalb kann ein trockener, windiger Herbsttag besser sein als ein schwüler Sommertag.
Die Regenregel
Regen schlägt alles. Ist für eine Stunde messbarer Niederschlag vorhergesagt oder liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei 60 Prozent oder mehr, gilt diese Stunde als „nicht draußen“. Eine Regenwahrscheinlichkeit zwischen 20 und 60 Prozent senkt die Bewertung schrittweise.
Bestes Zeitfenster und Urteil
Aus den Stunden mit guter Trocknungskraft wird der zusammenhängende Abschnitt gesucht, in dem am meisten trocknet – frühestens ab 8 Uhr und nur bei Tageslicht. Dann wird geprüft, ob normale Wäsche darin trocken wird:
- Ja: Auch normale Mischwäsche wird trocken.
- Eingeschränkt: Nur leichte Wäsche wie T-Shirts und Hemden schafft es.
- Nein: Es regnet, es ist zu feucht, oder der Tag ist schon zu weit fortgeschritten.
Abends, wenn für heute nichts mehr geht, siehst du automatisch die Prognose für morgen.
Trockenzeiten sind Schätzungen
Für leichte, normale und schwere Wäsche wird berechnet, wann sie ungefähr trocken ist, wenn du sie zu Beginn des besten Zeitfensters aufhängst. Diese Zeiten sind Schätzungen und stehen deshalb immer mit „ca.“ da. Wie schnell deine Wäsche wirklich trocknet, hängt auch von Dingen ab, die die Prognose nicht kennt: wie stark du schleuderst, wie dicht die Leine hängt, ob dein Balkon im Wind oder im Schatten liegt.
Hinweise
Zusätzlich gibt es Hinweise auf Tau am Abend, Frost, Nebel, Sturmböen und erhöhtem Pollenflug. Pollen verändern die Bewertung nicht – sie sind nur für Allergiker wichtig.
Für Technik-Interessierte: die Rechnung im Detail
Grundlage ist die Penman-Kombinationsgleichung (1948) mit der Windfunktion nach Shuttleworth (1993). Für jede Stunde berechnet das Modell das Sättigungsdefizit aus Temperatur und Taupunkt (Magnus-Formel, WMO), die Einstrahlung aus Sonnenscheindauer bzw. Bewölkung (Ångström–Prescott, Kasten & Czeplak) und den Wind in Leinenhöhe (logarithmisches Windprofil nach FAO-56). Nasser Stoff bekommt etwa die Hälfte der horizontalen Einstrahlung ab. Oberhalb von 75 Prozent Luftfeuchtigkeit wird die Trocknungskraft linear verringert und erreicht bei 95 Prozent null – so wird abgebildet, dass Baumwolle bei feuchter Luft Wasser bindet.
Aus der Trocknungskraft wird ein Wert von 0 bis 100 (sättigende Exponentialfunktion). Für die Trockenzeiten wird die Trocknungskraft ab dem Aufhängen summiert, bis eine Schwelle je Wäscheart erreicht ist: 0,5 / 1,0 / 1,8 mm Verdunstungsäquivalent für leicht / normal / schwer. Regen und Einbruch der Dunkelheit beenden die Rechnung.
Woher die Wetterdaten stammen, steht unter Datenquellen.